Mit ‘Sekte’ getaggte Beiträge

Netz-Reaktionen auf Reisefreiheit in Kuba: „Das Regime macht sich über uns lustig“ (stern.de)

Neue Reisefreiheit für Joani Sánchez: Kubas berühmteste Bloggerin auf Auslandstournee (stern.de)

Clowns im Krankenhaus: Scheitern als Aufgabe (taz.de)

Diary Slam: Erste Pickel, jugendliche Pein (taz.de)

Sekten: Vom Zeugen Jehovas zum Ungläubigen (zeit.de)

 

Advertisements

Zwanzig Jahre lang war Thomas Schmidt (Name geändert) Gemeindemitglied der Zeugen Jehovas. Dann stieg der heute 45-Jährige mit seiner Familie aus. Ein Gespräch über Enttäuschung, Schuldgefühle und neue Hoffnung.

Die letzten vier Jahre bei den Zeugen Jehovas waren Sie „Ältester“. In dieser Funktion mussten Sie selbst „Abtrünnige“, also Menschen, die an der Sekte Kritik üben, ausschließen. Hat dieses Amt etwas mit ihrem Ausstieg zu tun?

Definitiv. So etwas wie der Gemeinschaftsentzug waren schon Mechanismen, die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben. Aber im Prinzip gab es nicht nur den einen Grund. Wenn man als Ältester merkt, dass vieles intern ganz anders ist als in der Außendarstellung, dann muss man irgendwann die Entscheidung treffen und sich fragen, ob man noch in den Spiegel schauen kann oder nicht.

Der Wachturm - die Zeitschrift der Zeugen Jehovas

Der Wachturm – die Zeitschrift der Zeugen Jehovas

Gab es Menschen, bei den Ihnen der Ausschluss besonders schwer fiel?

Da war mal ein junges Mädchen, das Drogenprobleme hatte und auch ganz klar gesagt hat, dass es so weitermachen will. Formal hat man da keine Chance, man muss das Mädchen ausschließen. Sonst hätte es ja noch andere beeinflussen können. Das Problem war aber, dass die junge Frau gar nicht mehr klar ansprechbar war. Ich musste also jemanden ausschließen, der selbst auf Hilfe angewiesen war. Deswegen habe ich mit der Mutter gesprochen und ihr gesagt, dass sie mit ihrer Tochter zur Drogenberatung gehen soll. Streng formal hätte sie das ja gar nicht gedurft.

Warum?

Weil die Mutter noch Mitglied bei den Zeugen ist und der Kontakt zu ehemaligen Sektenmitgliedern – also in dem Fall ihrer Tochter – strengstens verboten ist. Und das hätte sie auch so akzeptiert. Das muss man sich mal vorstellen – hätte ich ihr nicht erlaubt, ihrem Kind zu helfen, hätte sie ihre Tochter wohl fallen lassen.

(mehr …)

Missionieren, Bibelstunden, drei Mal die Woche Versammlung – das war für Thomas Schmidt (Name geändert) viele Jahre lang Alltag. Die Zeugen Jehovas hatten ihn im Griff. Ein Bericht aus dem Inneren der Sekte – über Zukunftsängste, Harmagedon und die Feindschaft mit der Welt.

Thomas Schmidt (Name geändert) möchte anonym bleiben und das Leben in der Sekte hinter sich lassen

Thomas Schmidt (Name geändert) möchte anonym bleiben und das Leben in der Sekte hinter sich lassen

Sie leben abgeschottet, ersehnen das Paradies nach dem Weltuntergang herbei und stehen oft ungefragt vor der Haustür. In den 80er Jahren konnten nur wenige Menschen etwas mit den Zeugen Jehovas anfangen. Auch Thomas Schmidt nicht. Er kannte die Organisation lediglich aus den Erzählungen seiner Eltern. „Da haben sie ab und zu mal geklingelt.“ Von der Lehre der Sekte und ihrer Weltanschauung wusste er nichts.

Mit Anfang 20 zog Schmidt aus einem kleinen Dorf nach Hamburg, um seine technische Ausbildung zu machen. Er war allein, hatte so gut wie keine Freunde. Zur Zeit des Kalten Krieges waren seine Gedanken geprägt von Zukunftsängsten. „Ich habe nach etwas gesucht, was mir die Welt erklärt und all meine Zweifel begräbt“, erzählt er. „Und das haben die Zeugen Jehovas anfangs getan.“

Missionierung an der Haustür

Schmidt wurde ganz klassisch an der Haustür missioniert. Anfangs besuchte er Freizeitaktivitäten, traf sich mit anderen Jugendlichen der Sekte zum Fußballspielen. (mehr …)