Mit ‘Ausstieg’ getaggte Beiträge

Quelle: Günther Gumhold/ pixelio

Quelle: Günther Gumhold/ pixelio

Ein Unschuldsengel ist Peter Ruppert nicht gerade. Die Liste seiner Drogenerfahrungen reicht von Gras, Koks und LSD bis zu hin zu Crack. Alkohol und Amphetamine regierten lange Zeit den Alltag des 51-Jährigen. Erst als er bereits klinisch tot ist, Ärzte ihn aber wiederbeleben, nimmt sein Leben eine entscheidene Wendung. Der Beginn eines langen Weges raus aus der Abhängigkeit.

Zwei Flaschen Ouzo täglich. Schluck für Schluck die Birne wegknallen. So lange, bis der eigene Körper nicht mehr zu spüren ist. Bis die Sorgen und Probleme vergessen sind. 30 Jahre lang hat Peter Ruppert nach diesem Prinzip gelebt. Er begann seinen Tag mit Drogen und Alkohol und beendete ihn damit. Crack und Whiskey waren seine ständigen Wegbegleiter. (mehr …)

Dass sie anders als die anderen ist, wusste sie schon immer. Anfangs waren es nur die Selbstzweifel und die irritierenden Gedanken, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Doch mit der Zeit wurde es immer deutlicher: Obwohl Steffi (Name geändert) mit einem Penis auf die Welt kam, ist sie eine Frau. Ein langer Weg auf der Suche nach der eigenen Identität – und der Erkenntnis, dass Geschlecht mehr ist als nur ein äußerliches Merkmal.

Transsexuelle Menschen definieren Geschlechtsidentität nicht zwangsläufig nur nach äußerlichen Merkmalen

Steffi, Sie sind eine Frau – aber als Mann auf die Welt gekommen?

Nein, ich war noch nie ein Mann.

Aber Sie wurden mit einem männlichen Geschlecht geboren?

Ich hatte einen Penis und leider auch funktionierende Hoden. Transsexuelle Frauen sind Frauen, deren Körper zu viel Testosteron produziert und das bereits in der 7. Schwangerschaftswoche. Dadurch werden fälschlicherweise Hoden statt Eierstöcke gebildet, die dann noch mehr Testosteron ausschütten und den Körper „vermännlichen“ lassen. Aber für mich sind das nur unbedeutende äußerliche Merkmale, die nicht direkt auf das Geschlecht schließen. Man kann sein ganzes Ich auf seinen Penis reduzieren, aber für mich gehört viel mehr dazu. Die Deutschen scheinen zu vergessen, dass Menschen nicht nur aus Genitalien bestehen, sondern auch ein Gehirn haben. (mehr …)

Warum entschließt sich eine junge Frau, ins Kloster zu gehen?

Eine Frage, die sich wohl viele schon gestellt haben, wenn man an die rigiden und strengen Regeln denkt, die innerhalb des Gotteshauses gepredigt werden. Als Veronika Peters sich für ein Leben im Kloster entscheidet, ist sie 21 Jahre alt. In ihrem Buch „Was in zwei Koffer passt“ erzählt sie von ihren faszinierenden Erfahrungen und Eindrücken, den Licht- und Schattenseiten des Lebens hinter den benediktinischen Klostermauern und den menschlichen Begegnungen, die ihr zuteil werden. Und sie berichtet von dem Augenblick, an dem sie es dort nicht mehr aushält. Nach zwölf Jahren Abstinenz und Abgeschiedenheit entscheidet sich Peters für den Einstieg in ein neues Leben: bürgerlich, mit Mann und Kindern und der neu gewonnenen Freiheit.

Was sie ihrer Tochter sagen würde, wenn diese Sie mit dem Wunsch konfrontieren würde, eine Nonne werden zu wollen?
„Ich würde ihr mein Buch zu lesen geben.“

Einen ersten Eindruck von der Ex-Nonne Veronika Peters und ihrer Lebensgeschichte bekommt ihr in einem Interview, das sie nach der Veröffentlichung ihres Buches gegeben hat.

Brigitte Obrist hatte Glück. Als sie sich für den Ausstieg aus der Prostitution entschied, hatte sie eine berufliche Perspektive. Doch gegen Vorurteile, eine Identitätskrise und Anfeindungen aufgrund ihrer Vergangenheit konnte auch Sie nichts tun.

Frau Obrist, lange Zeit haben Sie Ihren Beruf aus Angst vor Stigmatisierung verheimlicht. Dann haben Sie doch den Weg in die Öffentlichkeit gesucht. Wie kam es dazu? 

Brigitte Obrist heute

Brigitte Obrist heute

In den 90er Jahren kam das Thema Aids in den Medien auf. Die Schweizer Zeitung Beobachter wollte eine Prostituierte portraitieren und hat bei Xenia, einer Beratungsstelle für Prostituierte in Bern angefragt, bei der ich im Vorstand war. Ich war zu dem Zeitpunkt in einer Phase, in der ich mir die öffentliche Diskriminierung unseres Berufsstandes nicht länger gefallen lassen wollte. Also habe ich mich dazu bereit erklärt, das Interview mit dem Beobachter zu machen. Als sie sagten, sie würden den Namen  abändern und das Gesicht auf dem Foto nicht zeigen, wurde mir klar, dass ich nicht gegen Stigmatisierung kämpfen kann, wenn ich diese gleichzeitig unterstütze. Also habe ich gesagt, mit Namen und Gesicht – wenn schon, dann richtig. (mehr …)

Zwanzig Jahre lang war Thomas Schmidt (Name geändert) Gemeindemitglied der Zeugen Jehovas. Dann stieg der heute 45-Jährige mit seiner Familie aus. Ein Gespräch über Enttäuschung, Schuldgefühle und neue Hoffnung.

Die letzten vier Jahre bei den Zeugen Jehovas waren Sie „Ältester“. In dieser Funktion mussten Sie selbst „Abtrünnige“, also Menschen, die an der Sekte Kritik üben, ausschließen. Hat dieses Amt etwas mit ihrem Ausstieg zu tun?

Definitiv. So etwas wie der Gemeinschaftsentzug waren schon Mechanismen, die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben. Aber im Prinzip gab es nicht nur den einen Grund. Wenn man als Ältester merkt, dass vieles intern ganz anders ist als in der Außendarstellung, dann muss man irgendwann die Entscheidung treffen und sich fragen, ob man noch in den Spiegel schauen kann oder nicht.

Der Wachturm - die Zeitschrift der Zeugen Jehovas

Der Wachturm – die Zeitschrift der Zeugen Jehovas

Gab es Menschen, bei den Ihnen der Ausschluss besonders schwer fiel?

Da war mal ein junges Mädchen, das Drogenprobleme hatte und auch ganz klar gesagt hat, dass es so weitermachen will. Formal hat man da keine Chance, man muss das Mädchen ausschließen. Sonst hätte es ja noch andere beeinflussen können. Das Problem war aber, dass die junge Frau gar nicht mehr klar ansprechbar war. Ich musste also jemanden ausschließen, der selbst auf Hilfe angewiesen war. Deswegen habe ich mit der Mutter gesprochen und ihr gesagt, dass sie mit ihrer Tochter zur Drogenberatung gehen soll. Streng formal hätte sie das ja gar nicht gedurft.

Warum?

Weil die Mutter noch Mitglied bei den Zeugen ist und der Kontakt zu ehemaligen Sektenmitgliedern – also in dem Fall ihrer Tochter – strengstens verboten ist. Und das hätte sie auch so akzeptiert. Das muss man sich mal vorstellen – hätte ich ihr nicht erlaubt, ihrem Kind zu helfen, hätte sie ihre Tochter wohl fallen lassen.

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Missionieren, Bibelstunden, drei Mal die Woche Versammlung – das war für Thomas Schmidt (Name geändert) viele Jahre lang Alltag. Die Zeugen Jehovas hatten ihn im Griff. Ein Bericht aus dem Inneren der Sekte – über Zukunftsängste, Harmagedon und die Feindschaft mit der Welt.

Thomas Schmidt (Name geändert) möchte anonym bleiben und das Leben in der Sekte hinter sich lassen

Thomas Schmidt (Name geändert) möchte anonym bleiben und das Leben in der Sekte hinter sich lassen

Sie leben abgeschottet, ersehnen das Paradies nach dem Weltuntergang herbei und stehen oft ungefragt vor der Haustür. In den 80er Jahren konnten nur wenige Menschen etwas mit den Zeugen Jehovas anfangen. Auch Thomas Schmidt nicht. Er kannte die Organisation lediglich aus den Erzählungen seiner Eltern. „Da haben sie ab und zu mal geklingelt.“ Von der Lehre der Sekte und ihrer Weltanschauung wusste er nichts.

Mit Anfang 20 zog Schmidt aus einem kleinen Dorf nach Hamburg, um seine technische Ausbildung zu machen. Er war allein, hatte so gut wie keine Freunde. Zur Zeit des Kalten Krieges waren seine Gedanken geprägt von Zukunftsängsten. „Ich habe nach etwas gesucht, was mir die Welt erklärt und all meine Zweifel begräbt“, erzählt er. „Und das haben die Zeugen Jehovas anfangs getan.“

Missionierung an der Haustür

Schmidt wurde ganz klassisch an der Haustür missioniert. Anfangs besuchte er Freizeitaktivitäten, traf sich mit anderen Jugendlichen der Sekte zum Fußballspielen. (mehr …)

Was haben Thomas Gottschalk, Friedrich Merz und Jürgen Rüttgers gemeinsam? Sie alle sind Mitglied in einer Studentenverbindung. Was für viele eine zweifelhafte Organisation darstellt, ist für andere Dreh- und Angelpunkt eines Lebens in geordneten Bahnen. Auch Stephan Peters genoss anfangs das starke Gemeinschaftsgefühl der katholischen Verbindung „Palatia“, eher er seine Überzeugung in den auferlegten Wertvorstellungen nach und nach verlor.

Heute arbeitet Stephan Peters als Rhetoriktrainer

Heute arbeitet Stephan Peters als Rhetoriktrainer

Es gab nicht diesen einen Moment, der seine Einstellung von jetzt auf gleich schlagartig änderte. Kein Aha-Erlebnis. Es war eher ein schleichender Prozess, den Stephan Peters dazu bewog, einen neuen Weg einzuschlagen. Ein Weg ohne seine Kameraden, ohne die täglichen Abendveranstaltungen, die Kneipen-Feiern und das traditionelle Band um den Körper. Ein Leben nach „Palatia“, der katholischen Studentenverbindung, der er viereinhalb Jahre seine Treue schwor.

Als Peters in die Verbindung eintritt, folgt er dem Weg, den ihm seine Familie – ein autoritäres, erzkatholisches Elternhaus – ohnehin vorgibt. Großvater, Vater, Bruder – allesamt sind Mitglieder einer Studentenverbindung. „Für mich gab es eigentlich nicht die Wahl, ob ich in eine Verbindung eintrete oder nicht. Höchstens in welche.“

Aufstieg vom Fuchs zum Burschen

Das erste halbe Jahr, das Peters bei der katholischen Studentenverbindung „Palatia“ in Marburg verbringt, ist er “Fuchs“, ein „niedriges Wesen“, ein noch unvollständiges, unerfahrenes Mitglied. Mindestens drei Abende die Woche besucht er die Veranstaltungen der Verbindung, paukt die Regelwerke und die Entstehungsgeschichte. (mehr …)