Neuer, lesenswerter Tipp für alle, die zumindest schon einmal in Gedanken mit einem Ausstieg geliebäugelt haben.

In dem Buch mit dem Titel „Vom Aussteigen und Ankommen: Besuche bei Menschen, die ein einfaches Leben wagen“ begibt sich F.A.Z-Redakteur Jan Grossarth auf eine Reise von Vorpommern bis Norditalien und trifft dabei u.a auf einen Waldmenschen, einen Jesuiten und ein Paar, das sich einem Tauschring angeschlossen hat und auf Geld verzichtet.

Neugierig geworden? Vielleicht findet ja der ein oder andere ein geeignetes Ausstiegskonzept für sich selbst… Mehr zum Autor und seinen Erkenntnissen aus der dreimonatigen Reise könnt ihr in einem Interview nachlesen, das der 30-Jährige mit der Gesellschaft „Freunde der Künste“ geführt hat.

Viel Spaß damit!

Zwanzig Jahre lang war Thomas Schmidt (Name geändert) Gemeindemitglied der Zeugen Jehovas. Dann stieg der heute 45-Jährige mit seiner Familie aus. Ein Gespräch über Enttäuschung, Schuldgefühle und neue Hoffnung.

Die letzten vier Jahre bei den Zeugen Jehovas waren Sie „Ältester“. In dieser Funktion mussten Sie selbst „Abtrünnige“, also Menschen, die an der Sekte Kritik üben, ausschließen. Hat dieses Amt etwas mit ihrem Ausstieg zu tun?

Definitiv. So etwas wie der Gemeinschaftsentzug waren schon Mechanismen, die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben. Aber im Prinzip gab es nicht nur den einen Grund. Wenn man als Ältester merkt, dass vieles intern ganz anders ist als in der Außendarstellung, dann muss man irgendwann die Entscheidung treffen und sich fragen, ob man noch in den Spiegel schauen kann oder nicht.

Der Wachturm - die Zeitschrift der Zeugen Jehovas

Der Wachturm – die Zeitschrift der Zeugen Jehovas

Gab es Menschen, bei den Ihnen der Ausschluss besonders schwer fiel?

Da war mal ein junges Mädchen, das Drogenprobleme hatte und auch ganz klar gesagt hat, dass es so weitermachen will. Formal hat man da keine Chance, man muss das Mädchen ausschließen. Sonst hätte es ja noch andere beeinflussen können. Das Problem war aber, dass die junge Frau gar nicht mehr klar ansprechbar war. Ich musste also jemanden ausschließen, der selbst auf Hilfe angewiesen war. Deswegen habe ich mit der Mutter gesprochen und ihr gesagt, dass sie mit ihrer Tochter zur Drogenberatung gehen soll. Streng formal hätte sie das ja gar nicht gedurft.

Warum?

Weil die Mutter noch Mitglied bei den Zeugen ist und der Kontakt zu ehemaligen Sektenmitgliedern – also in dem Fall ihrer Tochter – strengstens verboten ist. Und das hätte sie auch so akzeptiert. Das muss man sich mal vorstellen – hätte ich ihr nicht erlaubt, ihrem Kind zu helfen, hätte sie ihre Tochter wohl fallen lassen.

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Missionieren, Bibelstunden, drei Mal die Woche Versammlung – das war für Thomas Schmidt (Name geändert) viele Jahre lang Alltag. Die Zeugen Jehovas hatten ihn im Griff. Ein Bericht aus dem Inneren der Sekte – über Zukunftsängste, Harmagedon und die Feindschaft mit der Welt.

Thomas Schmidt (Name geändert) möchte anonym bleiben und das Leben in der Sekte hinter sich lassen

Thomas Schmidt (Name geändert) möchte anonym bleiben und das Leben in der Sekte hinter sich lassen

Sie leben abgeschottet, ersehnen das Paradies nach dem Weltuntergang herbei und stehen oft ungefragt vor der Haustür. In den 80er Jahren konnten nur wenige Menschen etwas mit den Zeugen Jehovas anfangen. Auch Thomas Schmidt nicht. Er kannte die Organisation lediglich aus den Erzählungen seiner Eltern. „Da haben sie ab und zu mal geklingelt.“ Von der Lehre der Sekte und ihrer Weltanschauung wusste er nichts.

Mit Anfang 20 zog Schmidt aus einem kleinen Dorf nach Hamburg, um seine technische Ausbildung zu machen. Er war allein, hatte so gut wie keine Freunde. Zur Zeit des Kalten Krieges waren seine Gedanken geprägt von Zukunftsängsten. „Ich habe nach etwas gesucht, was mir die Welt erklärt und all meine Zweifel begräbt“, erzählt er. „Und das haben die Zeugen Jehovas anfangs getan.“

Missionierung an der Haustür

Schmidt wurde ganz klassisch an der Haustür missioniert. Anfangs besuchte er Freizeitaktivitäten, traf sich mit anderen Jugendlichen der Sekte zum Fußballspielen. Den Rest des Beitrags lesen »

Im kommenden Jahr können sich Hippie Fans auf den Film „Wanderlust“ freuen. Wer bei dem Titel an Omas verstaubte Videokassette vom Wanderurlaub 1972 im Schwarzwald denkt, der liegt falsch. In dem Film mit den Hollywoodgrößen Jennifer Aniston und Paul Rudd geht es um ein stressgeplagtes Ehepaar, das das hektische New York verlässt und zufällig in einer durchgeknallten Hippie-Kommune landet. Freie Liebe, Nudisten und die ein oder andere „Zigarette“ inklusive.

Was haltet ihr vom Trailer? Sehenswerte Komödie oder der Versuch, krampfhaft lustig zu sein?

Sigfried G. hat seine florierende GmbH in Deutschland geopfert, sein Haus, was er über viele Jahre aufwändig renoviert hatte, verkauft und ist in ein Land gezogen, in dem der Lebenstraum nicht weniger Menschen ist, in Westeuropa zu arbeiten und zu leben. In dem Gespräch schildert der 50-Jährige seine Beweggründe für den Umzug in die Ukraine, nennt Vor- und Nachteile für ein Leben in der ehemaligen Sowjetunion und beschreibt, wie es sich anfühlt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Luxus in Deutschland...

Gülich’s Bad in Deutschland – Luxus pur…

Im Jahr 2004 haben Sie sich dazu entschieden, Ihr Heimatland Deutschland zu verlassen und gemeinsam mit Ihrer Frau in die Ukraine auszuwandern. Wie sah Ihr Leben in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt aus?

Ich hatte eine eigene kleine GmbH mit sieben Mitarbeitern. Wir haben Software für Steuerungsunterlagen entworfen, die im industriellen Produktionsumfeld eingesetzt werden. Die Leidenschaft für das Programmieren hatte ich schon als Jugendlicher. Mit 17 habe ich meine Nächte nicht in der Disko, sondern vor dem Computer verbracht. Und finanziell hat sich das Ganze auch ausgezahlt. Ich hatte ein Haus und eine Wohnung. Materiell gesehen fehlte es mir an nichts – mein Bad war 38 qm groß, mit Jaccuzzi ausgestattet und allem, was man sich so wünscht. Den Rest des Beitrags lesen »

Der 21-jährige „Stefan“ (Name abgeändert) weiß, was es bedeutet, auszusteigen. Jahrelang bestimmten rechtsextreme Gedanken sein Leben – mit Kameraden traf er sich, um gegen Schwule, Ausländer und Andersdenkende zu hetzen. Doch dann erreichte auch er den „Ausstiegspunkt“. Die „Hessenschau“ zeigt die Geschichte des jungen Mannes.

Christoph Pokrandt hatte das, wovon viele Menschen träumen: Einen festen Job und ein gutes Gehalt. Das hat dem ehemaligen Ingenieur aber nicht gereicht. Er kündigte seinen Job bei Siemens, gab seine Wohnung auf und setzte sich in ein Flugzeug nach Südamerika. Lesenswerte Geschichte auf Spiegel Online! Ähnliches demnächst auf diesem Blog zu lesen.

Filme zum Thema „Aussteiger“

Veröffentlicht: April 12, 2012 in Service

Spannende Geschichten, eindrucksvolle Bilder – auch in Spielfilmen wird das Phänomen „Aussteiger“ immer wieder aufgegriffen. Hier sind meine Top 3 der Aussteiger-Filme:

Was sind eure Lieblings-Filme zum Thema „Aussteiger“?

Quelle: Janusz Klosowski  / pixelio.de

Quelle: Janusz Klosowski / pixelio.de

Aussteigen. Daran hat wohl jeder schon einmal gedacht. Viele Menschen träumen davon, ihre Zelte abzubrechen und irgendwo ein neues Leben zu beginnen. Medial arrangierte Ausstiegsszenarien durch TV-Dokus wie „Goodbye Deutschland“ oder „Umzug in ein neues Leben“ zeigen, dass das Phänomen „Aussteiger“ den Nerv der kritischen Masse getroffen hat.

Doch ein Ausstieg lässt sich nicht allein auf dem Umzug in ein anderes Land reduzieren. Ausstiege gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen und Lebenslagen. Menschen, die sich für unkonventionelle Lebensformen entschieden haben, die aus einer Organisation oder Religionsgemeinschaft austreten, die ihren Job kündigen oder die sich für ein neues und gegen ihr altes Leben entschieden haben – allesamt sind es Aussteiger, Menschen, die den Schritt in ein neues Leben gewagt haben.

Doch wer sind diese mutigen Männer und Frauen, die sich für einen Neuanfang und gegen die Gewohnheit entschieden haben? Wer sind die Menschen, die nicht warten, bis sich ihr Leben von alleine bessert, sondern aktiv dafür kämpfen – ohne zu wissen, ob das Leben nach dem Ausstieg wirklich schöner ist?

Es sind die Menschen, die ich zukünftig auf diesem Blog vorstellen möchte. Ich möchte mit ihnen darüber sprechen, welche Ängste und Probleme sie haben, welche  Rückschläge sie hinnehmen mussten und wie sich ihr Leben nach dem Ausstieg verändert hat.

Aussteigen kann jeder – irgendwie, irgendwo und irgendwann. Auf diesem Blog sollen Menschen vorgestellt werden, die schon einen Ausstieg in ihrem Leben hinter sich haben oder ihn gerade planen. Entscheidend ist, dass der Schritt für sie lebensweisend ist.

Ich freue mich auf interessante Interviewpartner und spannende Geschichten.

Was haben Thomas Gottschalk, Friedrich Merz und Jürgen Rüttgers gemeinsam? Sie alle sind Mitglied in einer Studentenverbindung. Was für viele eine zweifelhafte Organisation darstellt, ist für andere Dreh- und Angelpunkt eines Lebens in geordneten Bahnen. Auch Stephan Peters genoss anfangs das starke Gemeinschaftsgefühl der katholischen Verbindung „Palatia“, eher er seine Überzeugung in den auferlegten Wertvorstellungen nach und nach verlor.

Heute arbeitet Stephan Peters als Rhetoriktrainer

Heute arbeitet Stephan Peters als Rhetoriktrainer

Es gab nicht diesen einen Moment, der seine Einstellung von jetzt auf gleich schlagartig änderte. Kein Aha-Erlebnis. Es war eher ein schleichender Prozess, den Stephan Peters dazu bewog, einen neuen Weg einzuschlagen. Ein Weg ohne seine Kameraden, ohne die täglichen Abendveranstaltungen, die Kneipen-Feiern und das traditionelle Band um den Körper. Ein Leben nach „Palatia“, der katholischen Studentenverbindung, der er viereinhalb Jahre seine Treue schwor.

Als Peters in die Verbindung eintritt, folgt er dem Weg, den ihm seine Familie – ein autoritäres, erzkatholisches Elternhaus – ohnehin vorgibt. Großvater, Vater, Bruder – allesamt sind Mitglieder einer Studentenverbindung. „Für mich gab es eigentlich nicht die Wahl, ob ich in eine Verbindung eintrete oder nicht. Höchstens in welche.“

Aufstieg vom Fuchs zum Burschen

Das erste halbe Jahr, das Peters bei der katholischen Studentenverbindung „Palatia“ in Marburg verbringt, ist er “Fuchs“, ein „niedriges Wesen“, ein noch unvollständiges, unerfahrenes Mitglied. Mindestens drei Abende die Woche besucht er die Veranstaltungen der Verbindung, paukt die Regelwerke und die Entstehungsgeschichte. Den Rest des Beitrags lesen »